Grundsatzbeschluss fiel mit drei Gegenstimmen - Aufträge vergeben
Seit gestern steht es fest: Geislingen baut ein neues Hallenbad - und zwar auf dem Wölkbad-Areal. Bei drei Gegenstimmen fasste der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss für das Zehn-Millionen-Euro-Projekt.
MANFRED BOMM - Geislinger Zeitung
Ablehnung nur aus den Reihen der SPD: Thomas Reiff, Jürgen Peters und Eva Blessing befürchten, dass manche Bürger die höheren Eintrittspreise nicht mehr bezahlen können und deshalb die kalkulierten Besucherzahlen ausbleiben. Auch SPD-Fraktionschef Dr. Hansjürgen Gölz teilt diese Bedenken, befürwortet das Projekt aber aus ökologischer Sicht.
Wolfgang Berge, Chef der Stadtwerke, hatte die Stadträte darauf hingewiesen, dass der Hallenbad-Neubau enorme Energiekosten einspare - und dies trotz mehr als verdoppelter Wasserfläche. Der Strombedarf bleibe zwar gleich, doch werde mit der Fotovoltaik-Anlage auf dem Flachdach zehn Prozent weniger Primärenergie gebraucht, was pro Jahr 60 000 Tonnen CO2 seien.
Der lang gezogene flache Baukörper wird auf dem Freibad-Gelände entlang der Eyb gebaut. Damit kann seine nach Süden ausgerichtete Glasfront die Sonnenwärme aufnehmen. Außerdem wirft das Gebäude keinen Schatten auf Liegewiese und Außenbecken.
Der Außenbereich selbst bleibt zunächst unverändert. Um im vorgegebenen Kostenrahmen von zehn Millionen Euro zu bleiben, soll zunächst ein erster Bauabschnitt realisiert werden - und dieser bezieht sich allein auf den Bau des Hallenbades. Es enthält ein Sportbecken mit fünf 25-Meter-Bahnen, einen Nichtschwimmerbereich als Spiel- und Spaßbecken, einen Kind-Eltern-Bereich, einen Ausschwimmkanal in ein Außenbecken (auch im Winter) sowie ein Restaurant für Innen- und Außenbewirtschaftung.
Der Zugang erfolgt in der Sommersaison durch den bestehenden Haupteingang. Im Winter hingegen ist das Hallenbad nur über einen Weg entlang des Schlachthof-Areals zu erreichen. Für den neuen Eingang muss ein Teil des Umkleidegebäudes weichen.
Gerade die Gestaltung dieses Zugangs und die Art und Weise, wie der Verein Rätschenmühle darüber informiert worden sei, stieß Roland Funk (FWV) sauer auf. Stadtbaumeister Karl Vogelmann freilich wies den Vorwurf mangelnder Kommunikation zurück: Alles sei sogar "vorbildlich gelaufen."
Funk, der dem Vorhaben schweren Herzens zustimmte, äußerte ebenfalls Bedenken zu Preispolitik und Besucherzahlen. Im Übrigen gab er zu bedenken, dass die Einhaltung des Kostenrahmens nur den jüngst stark gesunkenen Baupreisen zu verdanken sei.
Die Kalkulation basiert auf drei Viertel aller Arbeiten, für die Berge bereits die Angebote vorlegen konnte. Seine Einschätzung: "Die Baupreise sind so günstig wie nie." Deshalb laute das Motto: "Jetzt oder nie." Bessere Bedingungen gebe es nicht mehr.
Ausschlaggebend für die Kombibad-Idee war die Haushaltskonsolidierung im Herbst 2006. Bei der Suche nach Einsparungen hatten die Stadträte erfahren, dass sich die Modernisierung des alten Hallenbades nicht rechne. Um das Gebäude energetisch zu sanieren, hätte ein hoher Betrag allein in die Technik gesteckt werden müssen, ohne damit die Attraktivität gesteigert zu haben, erinnerte gestern Holger Scheible (CDU). In der Folgezeit seien die jetzigen Pläne sehr sorgfältig erarbeitet worden.
Den betriebswirtschaftlichen Berechnungen zufolge ist ein Neubau langfristig günstiger als die Sanierung: Er soll den jährlichen Verlust der Bäder von 1,1 Millionen auf künftig 708 000 Euro reduzieren. Dieser Spareffekt war noch größer, als man anfangs von einer Einfachstlösung ausging. Doch weil die Ansprüche an die Attraktivität stiegen und auch die Freibad-Außenbecken umgemodelt werden sollten, stand plötzlich die Summer von 15 Millionen im Raum.
Um den Kostenrahmen nicht zu sprengen, wurde auf einen ersten Bauabschnitt abgespeckt. Berge betont: "Das Freibad bleibt, wie es ist."
Unklar ist, was mit dem alten Hallenbad geschieht, dessen Wert nach Angaben Berges auf 1,9 Millionen Euro geschätzt wird - ein Betrag der in keine Kalkulation eingeflossen sei. Denn: "Das schenken wir der Stadt", sagt Berge als Chef der Stadtwerke.
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Erscheinungsdatum: Donnerstag 26.03.2009