GMA-GUTACHTEN ZUM FACHMARKTZENTRUM AUF DEM STÄDTISCHEN SPORTPLATZ: "Ich fühle mich an der Nase herumgeführt"
Bei der bloßen "Kenntnisnahme" blieb es nicht: Gegner des Einkaufszentrums kritisieren die Auswirkungsanalyse
Die Auswirkungsanalyse zum geplanten Fachmarktzentrum auf dem Städtischen Sportplatz in Geislingen sorgte im Gemeinderat für Diskussionen.
RODERICH SCHMAUZ, Geislinger Zeitung
Geislingen: "Kenntnisnahme" lautete die Vorgabe der Stadtverwaltung, als jüngst Gerhard Beck im Geislinger Gemeinderat die Auswirkungsanalyse der GMA zum projektierten Fachmarktzentrum auf dem Städtischen Sportplatz erläuterte. Es blieb im Gremium natürlich nicht unwidersprochen. Von Gegnern der Einkaufsgalerie kam nun Skepsis und Kritik am Gutachten.
SPD-Stadtrat Thomas Reiff kritisierte, dass erneut die GMA mit dem Gutachten beauftragt wurde. Von ihr habe man kein anderes Ergebnis erwartet. Was sie als Auswirkungsanalyse vorlege, wäre schon vor einem Jahr möglich gewesen, vor dem Verkauf des Sportplatzes an den Investor Ten Brinke, kritisiert Reiff. Damals habe es geheißen, um die Auswirkungen berechnen zu können, brauche man konkrete Angaben über Sortimente und Flächen. Auch heute sei nicht bekannt, welche Anbieter sich im Nel Mezzo einmieten, aber die Auswirkungsanalyse liege vor. Reiff: "Ich fühle mich an der Nase herumgeführt." Ebenso Bernhard Lehle (GAL): "Ich fühle mich verarscht."
Demgegenüber betonte GMA-Gutachter Beck: Jetzt lägen die Sortiments- und Flächenvorstellungen des Investors vor, damit sei der richtige Zeitpunkt gekommen für die Auswirkungsanalyse.
Beck befürchtet - Ausnahme: Bekleidung - keine gravierenden Umsatzverschiebungen im innerstädtischen Handel durch das neue Einkaufszentrum. Er plädiert dafür, die Textil-Flächen von 4200 auf 3700 Quadratmeter zu reduzieren.
Ulrich Sihler (Freie Wähler) bedauert gerade das. Gerade bei Mode für Leute über 50 oder bei hochwertigen Marken bestünden Marktlücken in Geislingen.
Der Beckschen Analyse hält Reiff gravierende Umsatzverschiebungen entgegen, indem er die Handels-Randlagen einbezieht: 45 Prozent beträgt demnach der Umsatzverlust bei Nahrungsmittelmärkten, 22 Prozent bei Bekleidung. Reiff: "Das Bauvorhaben bringt also einschneidende Veränderungen."
Das Gutachten sei das Papier nicht wert, auf dem es stehe, befand der Einkaufszentrums-Skeptiker in Reihen der CDU, Peter Maichle, mit Blick auf die Wirtschaftsentwicklung: "Ich bewundere den Mut des Investors."
Aus dem GMA-Gutachten las Dr. Hansjürgen Gölz (SPD) dagegen diese Quintessenz: "Es bestärkt darin: Wir können es wagen." Ebenso Holger Scheible (CDU): "Das Fachmarktzentrum ist vertretbar, es kann gebaut werden." Auch nach Auffassung von Oberbürgermeister Wolfgang Amann untermauert das Gutachten, dass das Einkaufszentrum, gerade auf dem Städtischen Sportplatz, gebaut werden soll.
Was hat der Gemeinderat noch zu sagen, nachdem der Sportplatz verkauft ist? Wie verbindlich sind Bestimmungen im Bebauungsplan? So lauteten besorgte Fragen von Dr. Hansjürgen Gölz (SPD) und Bernhard Lehle (GAL).
Laut Beck legt der Gemeinderat im Bebauungsplan verbindlich Maximalflächen für jede Branche fest. Wobei der Investor das Maximum wohl nicht ausschöpfe. Beck geht statt 9500 real von 8000 Quadratmetern Verkaufsfläche aus.