
Verwaltungsausschuss: „Kinder- und Familienbildung“ im Kindergarten Bunte Welt vorgestellt
Information und Integration verknüpft das Projekt „Kinder- und Familienbildung“. Seit Oktober 2012 läuft es im Geislinger Kindergarten Bunte Welt.
KATHRIN BULLING/Geislinger Zeitung 14.06.2013
Geislingen. Kathrin Illenberger zeigte am Mittwoch ihre Freude über „KiFa“ ganz offen: „Es ist eine tolle Sache“, sagte sie strahlend. Die Leiterin des Kindergartens Bunte Welt in der Parkstraße stellte im Verwaltungsausschuss des Geislinger Gemeinderats das Projekt „Kinder- und Familienbildung“ vor.
Das Programm für Kindertagesstätten und Grundschulen stammt von der Schwarzwälder Neumayer-Stiftung. Das Ziel ist es, jungen, vor allem bildungsfernen und ausländischen Familien dabei zu helfen, die Entwicklung ihrer Kinder ganzheitlich zu fördern. Das Landratsamt Göppingen finanziert zwei Kommunen im Kreis die Teilnahme, neben Geislingen ist das noch Ebersbach. In der Parkstraße – ausgewählt wegen des hohen Migrationsanteils – läuft das Projekt seit neun Monaten – mit großem Erfolg, wie Illenberger berichtete.
Einmal pro Woche ein Jahr lang treffen sich sechs Frauen, unter anderem mit albanischem, türkischem und russischem Hintergrund, im Elternkurs. Bei den Treffen geht es um Themen wie Sprachentwicklung, Bewegung, gesunde Ernährung und Medienerziehung. Das Besondere: Leiterin des Kurses ist eine speziell geschulte Mutter aus dem Kindergarten. Vernetzung mit einer Erziehungs- und Sozialberatung vor Ort ist wichtig, deshalb ist immer eine Mitarbeiterin der Caritas-Beratungsstelle dabei. Das senkt bei den Frauen die Hemmschwelle, sich mit ihren Problemen an Außenstehende zu wenden und erspart ihnen lange Wege.
„KiFa“ soll nicht nur Eltern bei der Erziehungsarbeit helfen, sondern gleichzeitig die Teilnehmer – meist Mütter – stärken. Wie gut das funktioniert, beobachtet Kathrin Illenberger in ihrer Einrichtung: Im vertrauten Rahmen der Gruppe hätten sich schon enge Freundschaften entwickelt. Zwei Frauen haben mittlerweile damit begonnen, den Führerschein zu machen, mehrere nehmen am Deutschkurs der Caritas teil. Viele Mütter hätten ein ganz niedriges Selbstbewusstsein, sagte Illenberger, „im Kurs treffen sie auf andere Frauen, denen es ähnlich geht. Sie können sich austauschen und trauen sich in der Gruppe viel mehr zu.“ Weil die Nachfrage groß ist, wird die Gruppe im neuen Kindergartenjahr im September erweitert. Eine Fortführung in der Grundschule ist möglich. Zwar falle ein Mehraufwand von zehn Prozent an, so Illenberger, doch der lohne sich.
Die Mitglieder des Verwaltungsausschusses lauschten interessiert. Oberbürgermeister Wolfgang Amann sprach von einem „ganz tollen, vorbildlichen Integrationsprojekt“, Thomas Reiff, Jürgen Peters (beide SPD) und Roland Funk (FWV) schlossen sich an.
Thomas Reiff wollte wissen, ob man das Projekt auf andere Einrichtungen übertragen könne. „Das würden wir sehr gerne tun“, erwiderte Jonica Sperling von der Stadtverwaltung. Im Jahr fielen 8000 Euro pro Kita an, informierte Angelika Pfeiffer von der Neumayer-Stiftung – es gebe aber Refinanzierungsmöglichkeiten durch Landes-Fördertöpfe.