Afrika im Fokus des 3. Sommerstammtisches der SPD Geislingen

Ortsverein

Foto: Jürgen Peters

Um aktuelle politische und wirtschaftliche Entwicklungen auf dem afrikanischen Kontinent ging es beim jüngsten Stammtisch des SPD-Ortsvereins Geislingen im „Café im Grünen“.  Als Referenten konnte der Ortsvereinsvorsitzende Thomas Reiff den aus Geislingen stammende Politologen und Mitbegründer des Geislinger „Freundeskreis Uganda e.V.“ Tim Zajontz begrüßen.

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Zajontz lehrt und forscht an den Universitäten in Freiburg und Stellenbosch in Südafrika zu den internationalen Beziehungen des afrikanischen Kontinents. Beim Stammtisch des Geislinger SPD-Ortsvereins teilte der Politikwissenschaftler nun Erfahrungen und Erkenntnisse, die er während teils mehrjähriger Aufenthalte im südlichen und östlichen Afrika sammeln konnte.

Eingangs betonte der aus Geislingen stammende Zajontz die Notwendigkeit, sich gerade in Deutschland kritisch und intensiver mit den Beziehungen zum afrikanischen Kontinent auseinanderzusetzen. Diese Verantwortung erwachse nicht zuletzt aus der Schuld, die sich Deutschland durch seine Kolonialgeschichte und im Speziellen dem Völkermord an den Nama und Herero im heutigen Namibia auf sich geladen habe. Die deutsche Kolonialzeit sei weiterhin nur begrenzt aufgearbeitet. Als Beispiel nannte er die zaghaften Diskussionen über illegal in deutschen Besitz gelangte afrikanische Kunst- und Kulturschätze.

Er schlug dann den Bogen zu aktuellen Herausforderungen, welche zwingend der engen Kooperation zwischen beiden Kontinenten bedürften. Zu lang andauernden und komplexen Konflikten wie dem in der Sahelregion, den die Bundeswehr im Rahmen einer UN-Mission zu befrieden versucht, ist jüngst der Bürgerkrieg in der äthiopischen Region Tigray gekommen. Dieser hat bereits tausende Menschenleben gefordert und Zehntausende zur Flucht gezwungen. Neben bewaffneten Konflikten sei der Klimawandel mittlerweile eine Hauptursache für Migration. Dabei, so Zajontz, seien es afrikanische Staaten selbst, die den Großteil der Geflüchteten aufnehmen.

Der Referent ging auch auf Folgen der Covid-19-Pandmie für afrikanische Gesellschaften ein. Er hob hervor, dass manche afrikanische Staaten aufgrund ihrer Erfahrungen mit anderen Epidemien schnell und effizient auf Covid-19 reagieren konnten. Zugleich betonte Zajontz aber, dass Afrika mit einer durchschnittlichen Impfquote von rund 2 Prozent in der globalen Impfkampagne abgehängt sei. „Es kann nicht sein, dass bei uns der Impfstoff verfällt, während Menschen im Globalen Süden wegen unserer Patente und wirtschaftlicher Interessen keinen Zugang zu Impfstoffen bekämen“, kritisierte Zajontz. Man müsse kein Epidemiologe sein, um zu begreifen, dass eine globale Pandemie nur solidarisch und kooperativ bekämpft werden könne.

Zajontz thematisierte abschließend die wachsende chinesische Präsenz in Afrika, die sich durch die Einbindung des Kontinents in Chinas Seidenstraßenprojekt in den letzten Jahren weiter intensiviert habe. In Europa sei vielen nicht klar, wie aktiv China seine wirtschaftlichen und politischen Interessen verfolge. Soziale, wirtschaftliche und politische Auswirkungen der immer enger werdenden Verflechtungen mit China seien dabei nicht zuletzt von der Qualität der Regierungsführung in afrikanischen Hauptstädten abhängig. Diese unterscheide sich von Land zu Land teils deutlich. Staaten wie Angola, Kenia oder Sambia hätten sich beispielsweise bei chinesischen Staatsbanken hoch verschuldet.

„Der afrikanische Kontinent hat geostrategisch in den vergangenen beiden Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen“, so Zajontz. Dies berge Chancen und Risiken für die Menschen vor Ort. In der anschließenden Diskussion erörterten die Stammtisch-Gäste unter anderem die Frage, inwieweit Afrika weiterhin Spielball externer Akteure sei und welche Verantwortung der deutschen und europäischen Politik gegenüber Afrika zukomme. Die Anwesenden waren sich einig, dass eine politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe eines Paradigmenwechsels in Berlin und Brüssel bedarf.

 
 

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