Adelheid Rupp In der Kommunalpolitik die Sicht der Frauen zum Tragen bringen.
von SABINE REIFF
Zu einem interessanten und informativen Abend wurde die Veranstaltung der SPD Geislingen in der Gaststätte „Stern“ mit der stellvertretenden SPD-Landesvorsitzenden und Landtagsabgeordeneten Adelheid Rupp aus München. Das Thema: "Wir können alles - auch Politik!"
Die gebürtige Geislingerin, die hier und in Göppingen zur Schule ging und ihre Jugend verbrachte, begann mit der Schilderung ihres persönlichen Lebensweges, der sie während und nach dem Studium über die Mitarbeit in der Studentenvertretung zur Politik brachte. Die praktizierende Rechtsanwältin und im neuen bayrischen Landtag finanzpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion ist zudem auch Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen. In ihrer inhaltlichen Arbeit in der ASF nannte Adelheid Rupp drei Schwerpunkte: Chancengleichheit im Erwerbsleben, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die gesellschaftliche Ächtung von Gewalt gegen Frauen.
Die Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit ist immer noch eine der Hauptforderungen. Noch immer verdienen Frauen 23 % weniger als ihre männlichen Kollegen. Diese Lohndifferenz habe sich in den letzten Jahren nicht verringert sondern erhöht. Die Forderung nach Mindestlöhnen in allen Branchen sei gerade für Frauen wichtig, da zwei Drittel der Beschäftigten im Niedriglohnsektor Frauen sind. Eine Folge davon sei, dass viele der Frauen auf das Einkommen ihrer Partner oder auf soziale Transferleistungen angewiesen sind, obwohl sie voll berufstätig seien. Um Familie und Beruf vereinbaren zu können, sei ein flächendeckendes Betreuungsangebot auch für unter Dreijährige dringend notwendig. Erst wenn durch Kinderbetreuungsmöglichkeiten und familiengerechte Arbeitszeiten eine Arbeitsstruktur geschaffen ist, die eine gleichberechtigte Teilung von Haus- und Familienarbeit zwischen Männern und Frauen zulasse, sei letztendlich auch die gleichberechtigte Teilhabe der Frauen an der Politik möglich.
Dass Gewalt gegen Frauen immer noch ein Thema ist, sei traurig genug und ein Aus-druck dafür, dass es immer noch sehr ungleiche Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen gäbe. Jede vierte Frau hat im Laufe ihres Leben körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren. Das Ziel unserer Gesellschaft müsse umso dringender das gleichberechtigte Miteinander der Geschlechter sein. Ein erster Schritt in diese Richtung sei die finanzielle Unabhängigkeit der Frauen.
Im persönlichen Gespräch ging Adelheid Rupp besonders auf die Möglichkeiten der Frauen ein, selbst zu kandidieren und politisch aktiv zu werden. 90 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts sei es immer noch nicht selbstverständlich, dass Frauen z. B. in genügender Zahl für Kommunalparlamente kandidieren. Sie ermunterte die anwesenden Frauen, dies auch zu tun. Wenn Frauen überzeugt seien, etwas bewirken zu können, seien sie meist auch bereit, sich einzusetzen. „Etwas bewirken zu können und den Erfolg der eigenen Arbeit zu sehen macht den Spaß in der politischen Arbeit aus und schafft Selbstbewusstsein“, sagte Rupp.
Ein Hemmfaktor sei oft, dass Frauen glaubten, nicht kompetent genug zu sein oder ihre Arbeit immer zu 150 Prozent erfüllen zu müssen. Dies sei aber ein Trugbild! Sich selbst und anderen Frauen etwas zuzutrauen sei der richtige Weg. Als Frau Verantwortung tragen, mitbestimmen und Frauen wählen sei die einzige Chance auch in der Kommunalpolitik die Sicht der Frauen zum Tragen zu bringen.
Weiterführende Links:
Adelheid Rupp
ASF Bayern
ASF Baden-Württemberg
Frauenrat Geislingen
Kampagne Frauen macht Kommune